Wie Indianer Feste feiern

So lang hab ich nicht mehr geschrieben, so viel gibt es jetzt zu erzaehlen! Alles geht nicht, daher suche ich mir das wichtigste heraus:

Tag der deutschen Einheit

Den 3. Oktober haben wir etwas umgedichtet. Einigen Kollegen habe ich einen Schnellkurs in deutscher Geschichte gegeben, meine Internatsmitbewohnerinnen haben das ganze einfach umgedeutet. Day of unity? Unity in green! Da die Bluse zu meinem neuen gruenen Sari grade fertig war, gingen wir an diesem Tag zusammen in gruenen Saris in die Schule, hauptsache Einheit!

An meinem Geburtstag, dem 8. November, gab es so viele Gruende zu feiern, dass ein Tag eigentlich nicht ausreicht.

Dieser Tag ist hier landesweiter Feiertag, da dann gerade das Weihnachten der Hindus stattfindet- Diwali. Das wird im Norden Indiens sehr intensiv als das Fest der Lichter gefeiert- wie eben unser Weihnachten. In Kerala ist es dagegen kaum vertreten, wahrsceinlich wegen des starken christlichen Einflusses.

Ausserdem war an diesem Tag das Sanjofest, ein Wettbewerbstag von 19 Schulen des CMI Ordens im Bezirk Kottayam, die Schueler in verschiedenen kuenstlerischen Disziplinen gegeneinander ins Rennen schicken (Singen, klassisch Tanzen, Reden halten, Gedichte rezitieren- natuerlich in Englisch, Malayalam oder Hindi). Dafuer sind wir (ein Dutzend Lehrer, 2 Tanzlehrer und 40 Kinder) 4,5 Std. lang in einem Schulbus nach Palai gefahren. Mittwoch Abend gings los, dann haben wir in einem Klassenzimmer auf dem Boden oder auf den Baenken geschlafen, sind Donnerstag um 5.30h aufgestanden (fuer die Messe), 7.30h gabs Fruehstueck und danach begannen die Wettbewerbe. Wie das mit der ‘Indian Times’ so ist, gab es sehr viel Verspaetung, wodurch wir erst um 18h den Rueckweg antreten konnten.

Gleichzeitig fuhren 4 Lehrer und zwei Dutzend Schueler zu einem Sportfest, wo sie (wie wir) allerdings eher unbefriedigend wenige Preise bekamen. Nach Angabe der Lehrer liegt das an der Groesse unserer Schule- wir schicken 40, die anderen 100. Da ist gewinnen eben nicht so einfach.

Und dann war da ja noch mein Geburtstag, der wurde um 24h von 2 SMS indischer Freundinnen eingelaeutet, ging um 6.00h morgens mit einem Staendchen der ‘Sportler’ uebers  Handy weiter und verteilte sich dann so nach und nach auf den Tag, bis auf der spaeten Rueckfahrt im Bus nochmal kraeftig gesungen wurde. Anschliessend dichteten die Schueler ein Lied ueber mich aus dem Stehgreif, das ich ungluecklicherweise nicht ganz verstand, da es auf Malayalam war ;)

Family Day

Am 10. November dann war Family Day in meiner Schule. Dafuer kamen fast all eSchueler mit ihren Eltern am Samstag Morgen in die Schule. Die Eltern sassen fast zwei Stunden in der Aula und hoerten sich Reden von Priestern an, die Kinder warteten solange (und nicht immer geduldig) in ihren Klassenzimmern. Anschliessend gab es Spiele fuer Eltern und Schueler auf dem Platz vor der Schule, wie verschiedene Variationen von “Reise nach Israel” und einem Wettlauf, bei dem Wasser von Ehepaaren von Eimern in Flaschen umgefuellt werden musste. Die Eltern und ihre Kinder hatten viel Spass dabei und waren sich fuer nichts zu schade, das war schon erstaunlich. Unsere Eltern haetten wahrscheinlich nicht mal die Reden bis zu Ende angehoert. Dieser Family Day war offensichtlich etwas ganz besonderes fuer alle, denn die Lehrer erschienen wie die Schueler in Uniform und die Eltern in sehr guter Kleidung, z.B. edlen Saris. Lehreruniform bedeutet in unserem Fall, dass die Frauen alle die gleichen, orangfarbenen Saris trugen und die Maenner dunkelblaue Hosen mit cremefarbenen Hemden. Sowas unterstreicht doch wieder die familienorientierte Haltung der Inder, ich hatte eine solche Begeisterung fuer ein Schulfest nicht erwartet, wir haetten einfach gesagt “Ach, ist doch nur Family Day”- hier heisst es “Zieh dich ordentlich an, es ist Family Day!”

Children’s Day

Am 14. November (man merkt, es wird immer mehr) war dann Children’s Day, ein Feiertag, aber auch ein Werktag. In meiner Schule wurde dafuer am Nachmittag der Unterricht gestrichen und stattdessen ein christlich lehrreicher Film fuer die kleinen gezeigt, waehrend die Grossen Sport trieben. Der Children’s Day ist eigentlich der Geburtstag von Nehru, dem ersten Prime Minister von Indien. Die Inder ehren diesen Tag sehr- ob das mehr wegen der Kinder oder wegen Nehru ist laesst sich fuer mich nur schwer sagen, aber da die Inder sich bereits oefter als wesentlich kinderfreundlicher als die Deutschen erwiesen haben, wuerde es mich nicht wundern, wenns tatsaechlich wegen ihnen ist.

Geburtstag Teil 2

Jetzt aber wird wirklich Geburtstag gefeiert! Mein deutscher Freiwilligendienst- Kollege Ruben in Trivandrum hatte 6 Tage nach mir Geburtstag (also ich an Diwali, er am Children’s Day), daher feiern wir das jetzt gemeinsam am Wochenende. Dafuer bin ich Mittwoch und Donnerstag hergefahren (mit Zug und Bus) und am Sonntag gehts schon wieder zurueck. Freitag und Samstag bleiben wir in Kovalam, dem Touri- Strandort Nr. 1 in Kerala und dem wahrscheinlich einzigen Ort hier, an dem wir ueberhaupt ‘deutsch feiern’ koennen. Heute waren wir als Auftakt im Kino, wo wir uns “Next” angesehen haben, einen amerikanischen Film mit Jessica Biel und Nicolas Cage. Das war schon ganz nett, endlich mal wieder einen Film zu verstehen ;)

Sonntag aber muss ich dann zurueck, denn Montag gehts ja wieder zur Schule. Dort laeuft im Moment alles sehr gut, nur dass ich diesen Monat Probleme mit dem Lehrplan habe. Der ist vollgestopft mit Kapiteln in Social Science, fuer die wir nur 6 Wochen Zeit haben. Habe mich deswegen mit den Themen sehr beeilt, aber zu schnell darf ich das auch nicht durchbringen, sonst verstehen die Kinder ja nichts, davon hat dann ja keiner was. Und nur reinen Frontalunterricht will ich auch nicht machen- das geht zwar schnell, aber ob es effektiv ist wage ich zu bezweifeln. Deswegen versuche ich den Kids jetzt viele Projekte  aufzugeben- in der Schule ist der Unterricht eher frontal, mit gelegentlichen Diskussionen ueber das Thema zwischen den Schuelern, zu Hause muessen sie kreativ werden und das Thema umsetzen. Letzte Woche z.B. mussten sie Werbungen selbst gestalten, das war lustig. Ich habe ihnen das AIDA- Prinzip (Attention, Information, Desire, Action) erklaert und ihnen die Art der Werbung vorgegeben, der Rest war ihnen ueberlassen. Einige haben die Chance genutzt und sind wirklich sehr kreativ geworden, andere dagegen haben ihre Werbung vermutlich 10 Minuten vor Stundenbeginn angefangen. Aber ich hatte trotzdem das Gefuehl, sie mochten das. Diese Woche (waehrend ich weg bin) muessen sie kleine Referate fuer Geschichte vorbereiten. Wie das wird, kann ich mir noch kaum vorstellen, denn das machen sie nur ganz ganz selten. Ich habe versucht, ihnen einiges vorzugeben, sodass sie Richtlinien haben. Aber trotzdem bin ich selbst so zittrig als muesste ich ein Referat halten, weil ich nicht weiss ob ich sie damit ueberfordere. Na ja, naechste Woche werde ichs sehen!